Eine Novene ist ein neuntägiger Gebetszyklus (von lat. novem, “neun”), meist als Vorbereitung auf ein wichtiges Ereignis bzw. Fest.

Die Pfingstnovene geht zurück auf den Bericht aus Apostelgeschichte 1, wo berichtet wird, daß die Apostel und Maria, die Mutter Jesu, nach Jesu Himmelfahrt, im Gebet beisammen blieben, bis am Pfingsttag der Heilige Geist auf sie fiel. Deshalb wird eine Pfingstnovene an den neun Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten gefeiert.

Unsere Pfingstnovene orientiert sich an der Pfingstsequenz Veni Sancte Spiritus, einem mittelalterlichen liturgischen Gesang. An den neun Tagen nach Christi Himmelfahrt und am Pfingstsonntag posten wir hier je eine Strophe der deutschen Fassung dieses Textes, “Komm herab, o Heil’ger Geist”, und ermutigen Euch, anhand dieser Texte nachzudenken und zu beten.

Pfingstsequenz
Komm herab, o Heil’ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt. Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.
Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not,
In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.
Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.
Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

Pfingstsequenz, um 1200, zugeschrieben Stephan Langton, Erzbischof von Canterbury, Übertragung von Maria Luise Thurmair und Markus Jenny 1971